Atemwegsschutz vor Isocyanat-Sensibilisierung
G 27 Isocyanate – Betriebsmedizinische Eignungsprüfung
Pflichtvorsorge nach ArbMedVV mit Spirometrie und Haut-Screening (E ISO)
Das wichtigste vorab
Die G 27 Untersuchung im Überblick
Die G 27 Untersuchung schützt Beschäftigte vor Isocyanat-Asthma, beruflichen Atemwegserkrankungen und Hautreaktionen. Sie ist Pflichtvorsorge bei beruflicher Isocyanat-Exposition (Kontakt mit Isocyanaten durch Lackieren oder Schaumherstellung) und basiert auf Spirometrie (Lungenfunktionstest), Hautuntersuchung und genauen Fragen zu Ihrer Krankengeschichte. Munich Prevent führt spezialisierte G 27 Untersuchungen mit modernen Lungenfunktionstests durch.
Inhaltsverzeichnis
Risiken bei Isocyanat-Exposition
Isocyanate sind hochreaktive Chemikalien, die primär über Atemwege und Haut aufgenommen werden:
- Isocyanat-Asthma (berufliches Asthma): Überempfindlichkeit führt zu Atemwegsverengung, Husten, Kurzatmigkeit, oft nachts schlimmer – besonders tückisch: erst nach Wochen oder Monaten nach dem Kontakt kann es anfangen
- Isocyanat-induzierte Rhinitis: Entzündung der Nasenschleimhäute, Niesen, Schnupfen, Nasenstau – oft beginnt vor dem Asthma
- Kontaktdermatitis: Allergische oder reizende Hautreaktion an den Stellen, die Kontakt hatten (Hände, Gesicht, Unterarme) – sichtbar und unangenehm
- Reizwirkung (RADS): Akute plötzliche Atemwegsreaktion nach starker Isocyanat-Belastung – kann sofort auftreten, nicht erst nach Wochen
- Allergische Sensibilisierung: Isocyanate können Atemwegs-Überempfindlichkeit auslösen – oft erst nach Wochen bis Monaten unsichtbar, dann plötzlich Symptome
- Irreversible Lungenschädigung: Bei lang andauernder Exposition ohne Schutz droht dauerhaftes Asthma, das bleibend ist
Typische Einsatzbereiche:
- Lackiererei und Spritzlackierung (Polyurethan-Lacke)
- PU-Schaumherstellung und -verarbeitung
- Klebstoffverarbeitung (Polyurethan-Kleber)
- Elastomerfertigung
- Kunststoffherstellung und -beschichtung
- Bodenbelagsverlegung (Polyurethan-Klebstoffe)
- Fahrzeugkarosserie und Fahzeuginnenraum
- Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten
Komponenten der G 27 Untersuchung
Die G 27 Untersuchung umfasst:
- Ausführliche Anamnese: Wie lange Sie Isocyanaten ausgesetzt sind und wie, bisherige Atemwegssymptome (Husten, Kurzatmigkeit, Brustenge, besonders nachts oder am Wochenende), Schnupfen-Symptome, Hautreaktionen, frühere Jobs mit Chemikalien, Allergie-Geschichte, Rauchen
- Körperliche Untersuchung: Lungenabhören (Auskultation) – achtet auf Pfeifgeräusche, Hautprüfung auf rote oder juckende Stellen, Schleimhaut-Kontrolle
- Lungenfunktionstestung (Spirometrie): Sie pusten in ein Messgerät – zeigt, wie viel Luft ein- und ausströmt (FEV1, FVC) und ob die Wege verengt sind
- Reversibilitätstestung: Optional – nach Inhalation von Asthma-Spray wird nochmals gemessen, um zu sehen ob eine Verengung rückgängig zu machen ist
- Haut-Prick-Test oder Patch-Test: Bei Verdacht auf Allergie – kleine Kratzer auf der Haut (Prick) oder Testpflaster (Patch), schmerzlos
- Spezifische Serum-IgE-Bestimmung: Bluttest bei Verdacht auf Isocyanat-Allergie – sucht nach speziellen Antikörpern
- Blutuntersuchung: Blutbild mit besonderem Blick auf Eosinophile (weiße Blutkörperchen, die bei Allergie erhöht sind)
Gesamtdauer: 30–45 Minuten
Pflichtvorsorge nach ArbMedVV
Die G 27 ist Pflichtvorsorge nach ArbMedVV bei beruflicher Exposition gegenüber Isocyanaten. Die Untersuchung muss vor Aufnahme der Tätigkeit durchgeführt werden und wird dann regelmäßig wiederholt (jährlich oder nach betriebsärztlicher Empfehlung). Nach Expositionsende ist auch eine Nachverfolgung dokumentiert notwendig.
Besonderheit: Beschäftigte mit nachgewiesener Isocyanat-Sensibilisierung oder Asthma dürfen keine weiteren Isocyanat-Arbeiten verrichten. Die medizinische Eignung ist dann nicht gegeben.
- Latenzzeit: Sensibilisierung kann Wochen bis Monate nach Expositionsbeginn auftreten
- Keine sichere Expositionsschwelle: Auch geringe Konzentrationen können sensibilisieren
- Persistenz: Einmal sensibilisiert, bleiben Beschäftigte lebenslang empfindlich
- Expositionsquellen auch außerhalb des Arbeitsplatzes: Hobby-Lackierungen, DIY-Arbeiten
- Technischer Arbeitsschutz: Absauganlage, Atemschutz primär gefordert
- Rauchen als Risikofaktor: Erhöht Sensibilisierungsrisiko deutlich
- Screening-Häufigkeit: Bei unauffälligen Ergebnissen jährlich; bei V.a. Symptomatik häufiger
FAQ - Häufige Fragen
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Ja – absolut. Die G 27 ist Pflicht vor Ihrem ersten Tag mit Isocyanaten. Ohne Untersuchung und Freigabe können Sie nicht in dieser Tätigkeit eingesetzt werden.
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Keine Anzeichen einer bereits bestehenden Allergie oder Atemwegserkrankung. Sie können die Arbeit anfangen – müssen aber weiterhin sorgfältig mit Schutzausrüstung arbeiten. Es ist nicht “alles okay”, sondern nur “keine bestehenden Schäden”.
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Leider nein. Wenn Sie erst sensibilisiert sind, bleibt die Allergie lebenslang bestehen. Wenn Sie nicht mehr mit Isocyanaten arbeiten, wird es nicht schlimmer – aber nicht besser.
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Mindestens jährlich wenn Sie weiterhin Isocyanaten ausgesetzt sind. Bei ersten Symptomen oder Verdacht auf Allergie öfter – sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
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Das entscheidet der Betriebsarzt individuell – es kommt auf das Ausmaß an. Er wird wahrscheinlich zusätzliche Schutzmaßnahmen empfehlen oder häufigere Kontrollen.
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Der Arbeitgeber trägt die Kosten. Für Sie kostenlos.
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