Arbeitsaufenthalt im Ausland

G 35 Untersuchung – Arbeitsaufenthalt im Ausland

G 35 – Arbeitsaufenthalt im Ausland als Pflichtvorsorge (E AIA)

G 35 Untersuchung

Das wichtigste vorab

Die G 35 bereitet Sie auf Arbeitsaufenthalte in tropischen und subtropischen Ländern vor. Der Arzt überprüft Ihre Impfungen, berät Sie zu Tropenkrankheiten, führt eine umfassende Gesundheitsprüfung durch und untersucht Blut und Lunge. Die G 35 ist Pflichtvorsorge und schützt Sie vor Malaria (Parasitenkrankheit durch Mückenstiche), Gelbfieber (Viruserkrankung), Typhus (Bakterieninfekt vom Wasser) und anderen tropischen Krankheiten, die in Deutschland praktisch nicht vorkommen.

Inhaltsverzeichnis

Warum die G 35 Untersuchung wichtig ist

Tropen und Subtropen beherbergen Infektionen, die es in Deutschland nicht gibt: Malaria (Moskitos), Dengue (auch von Mücken), Gelbfieber (Viruserkrankung), Typhus (Wasser und Nahrung), Zika (Mückenvirus). Hinzu kommen extreme Hitze, Feuchtigkeit und oft mangelhafte medizinische Versorgung vor Ort. Eine gute Vorbereitung durch die G 35 – auch E AIA (Eignung Arbeitsaufenthalt im Ausland) genannt – schützt Sie vor diesen Krankheiten und gibt Ihrem Arbeitgeber die Sicherheit, dass Sie fit für den Einsatz sind.

Typische Einsatzbereiche:

  • Monteure und Ingenieure in Auslandsprojekten
  • Entwicklungshelfer und Katastrophenhilfe-Personal
  • Diplomatisches Personal, Konsulatsangestellte
  • Entsandte Manager, Expats, längerfristige Auslandsaufenthalte
  • Ärzte und Fachkräfte in Entwicklungsländern
  • Forscher und Wissenschaftler in tropischen Gebieten
  • NGO-Mitarbeiter und Hilfsorganisationen
  • Journalisten in Hochrisikogebieten
  • Öl- und Gasförderung, Rohstoffgewinnung in Tropen
  • Windkraft- und Energieprojekte im Ausland

Geografische Abgrenzung: Tropen (23,5° N bis 23,5° S), Subtropen (23,5° bis 35°), Hochgebirge, Wüsten – jede Zone hat eigene medizinische Risiken.

Was wird bei der G 35 Untersuchung untersucht?

Die G 35 ist die umfangreichste Vorsorgeuntersuchung und dauert 30–45 Minuten:

  • Ausführliche Anamnese mit Fokus auf Zielland: Welche genauen Länder? Was genau tun Sie dort? Wie lange bleiben Sie? Wo werden Sie untergebracht? Haben Sie chronische Krankheiten? Allergien (besonders gegen Malaria-Medikamente)? Wie stabil sind Sie emotional für solch einen Einsatz? Sind Sie vollständig geimpft?
  • Körperliche Untersuchung: Ganzkörperuntersuchung, Blutdruckmessung, Herz-Kreislauf-Check, Leber und Milz abtasten (um Malaria-Zeichen zu erkennen), Haut prüfen, Lymphknoten prüfen, neurologische Basis-Untersuchung (Reflexe, Kraft)
  • EKG (Elektrokardiogramm): Ruhe-EKG (Sie liegen entspannt, während kleine Elektroden Ihr Herz überwachen), bei älteren Personen oder Verdacht auch Belastungs-EKG (Sie treten auf einem Fahrrad oder gehen schnell auf einem Laufband)
  • Blutuntersuchungen: Vollständiges Blutbild (Blutarmut, Infektionen?), Leber- und Nierenwerte, Blutzucker, ggf. Malaria-Schnelltest (je nach Zielland)
  • Sehtest (Augen): Sehschärfe in der Ferne und Nähe, wie Sie Kontraste wahrnehmen (wichtig für tropische Helligkeit mit intensiver Sonne)
  • Hörtest (Ohren): Überprüfung des Hörvermögens
  • Urinanalyse: Standardmäßige Urinuntersuchung
  • Tropenmedizinische Beratung und Impfungen: Der Arzt berät Sie zu notwendigen Impfungen und führt sie durch – typischerweise Hepatitis A und B (Leberentzündung), Typhus (Magen-Darm-Infektion), Gelbfieber (je nach Land), Tetanus-Auffrischung (Wundstarrkrampf), Diphtherie, ggf. Meningokokken (Hirnhautentzündung), Tollwut
  • Prophylaxe-Beratung (Vorbeugung): Der Arzt erklärt Malaria-Vorbeugungsmedikamente, sichere Trinkwasserquellen, sichere Nahrungsmittel, Insektenschutz (Mückennetze, Repellents) und andere Vorsichtsmaßnahmen

Die Untersuchung dauert etwa 30 bis 45 Minuten.

– Hörtest (bei Bedarf)

Laboruntersuchungen:
– Blutbild
– Leberfunktion (relevant für Antimalariamedikamente!)
– Nierenfunktion (Hydratation in Tropen)
– Glucose und Lipidprofil
– Blutgruppe und Rh-Faktor dokumentieren
– Malaria-Antigen-Schnelltest (in einigen Ländern sinnvoll)
– Hepatitis A, B und C Serologie
– Typhus-Antikörper (falls nicht geimpft)
– ggf. weitere Tests je nach Land

Tropenmedizinische Impfberatung und -durchführung:
– Überprüfung Standardimpfungen (Tetanus, Diphtherie, Pertussis)
– Hepatitis A und B (fallweise Kombinationsimpfstoff)
– Typhus (Oral oder injiziert, je nach Risiko)
– Gelbfieber (für Afrika und Südamerika, teilweise vorgeschrieben)
– Japanische Enzephalitis (bei Aufenthalt Ostasien)
– Meningokokken (ACWY und B bei Bedarf)
– Polio-Auffrischung
– COVID-19 Impfung
– Tollwut-Impfung (bei hohem Expositionsrisiko)

Beratung zu Malaria-Prophylaxe:
– Analyse des Malaria-Risikos im Zielland
– Empfehlungen zu Antimalariamedikamenten (Atovaquon-Proguanil, Mefloquin, Doxycyclin, Artemisinin-basiert)
– Dosierung und Nebenwirkungen
– Beginn und Ende der Prophylaxe
– Mückenbekämpfung und Expositionsprävention

Allgemeine Reisemedizinische Beratung:
– Trinkwassersicherheit und Nahrungsmittelhygiene
– Insektenschutz (Dengue, Gelbfieber, Malaria)
– Sonnenschutz und UV-Prävention
– Durchfallprävention und -behandlung
– Höhenakklimation (bei Hochgebirgsaufenthalten)
– Hitzestress und Dehydratation
– Tauchmedizin (falls relevant)
– Geschlechtskrankheiten-Prävention

Die Gesamtdauer liegt bei 30–45 Minuten. Die Gültigkeit ist oft ab Untersuchung bis 12 Monate nach Auslandseinsatz sinnvoll.

Die G 35 ist Pflichtvorsorge nach ArbMedVV (Arbeitsmedizinische Vorsorge-Verordnung) § 4 Abs. 1, Anhang Teil 4 bei Tätigkeiten in Tropen, Subtropen oder bei besonderen klimatischen Belastungen. Sie ist bindend für Ihren Arbeitgeber – er muss sie organisieren und zahlen.

Rechtsgrundlagen:
– ArbMedVV (Arbeitsmedizinische Vorsorge-Verordnung)
– DGUV Empfehlung G 35
– Biostoffverordnung (BioStoffV), falls biologische Arbeitsstoffe (Infektionsrisiken) relevant
– Technische Regeln für tropische Länder (je nach Zielland)

Kurz gesagt – Kosten und Schweigepflicht: Ihr Arbeitgeber trägt alle Kosten (Untersuchung, Impfungen, Malaria-Vorbeugungsmedikamente). Reiseversicherungskosten sind nicht inbegriffen. Der Arzt unterliegt der Schweigepflicht: Ihr Arbeitgeber erhält nur die Information „fit for travel” (tauglich für Reisen) oder nicht. Ihre genauen Befunde bleiben privat.

• Gelbfieber-Impfung ist oft Einreisevoraussetzung für tropische Länder – muss vom Arbeitgeber berücksichtigt werden
• Malaria ist keine zu unterschätzende Krankheit – Prophylaxe ist essentiell in Hochrisiko-Gebieten
• Verschiedene Antimalariamedikamente haben unterschiedliche Nebenwirkungsprofile und Kontraindikationen (besonders Mefloquin)
• Frauen im gebärfähigen Alter sollten informiert werden, dass bestimmte Antimalariamedikamente vermieden werden sollten
• Die Untersuchung sollte etwa 4–6 Wochen vor Abreise erfolgen, damit Impfserien vollständig sind
• Aktualisierung des Impfbuchs ist vor Abreise notwendig
• Chronische Erkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck) erfordern spezielle Vorbereitung
• Psychische Belastungen beim Einsatz sollten nicht unterschätzt werden – auch die Familie sollte beraten werden
• Notfallmedikamente und Reiseapotheken sollten berücksichtigt werden

FAQ - Häufige Fragen

  • Nein, nicht wenn Ihr Arbeitgeber die gesetzlichen Pflichten einhält. Die G 35 ist Pflichtvorsorge für Tropen- und Subtropen-Einsätze. Falls Sie bereits vor kurzem eine tropenmedizinische Untersuchung durch einen privaten Arzt machen ließen und diese den Anforderungen entspricht, können Sie diese eventuell nachreichen – aber das klären Sie vorher mit Ihrem Betriebsarzt.

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