Spezialuntersuchung Druckluftexposition
G 31 Untersuchung: Druckluftarbeiten und Überdruck
Eignungsuntersuchung E ÜDR: Medizinische Freigabe für Caisson- und Tunnelbau unter erhöhtem Druck
Das wichtigste vorab
Arbeiten unter Überdruck brauchen eine spezialisierte arbeitsmedizinische Untersuchung. Die G 31 prüft, ob Ihre Beschäftigten körperlich und psychisch fit sind für diese extremen Arbeitsbedingungen unter erhöhtem Druck. Diese gründliche Eignungsuntersuchung berücksichtigt die speziellen Anforderungen des Tunnelbaus, der Caissonarbeit und der Druckluftindustrie.
Inhaltsverzeichnis
Dekompressionskrankheit und Barotrauma
Druckluftarbeiten entstehen typischerweise beim Tunnelbau (U-Bahn-Projekte, Unterfahrungen), bei Caissonarbeiten (versunkene, unter Druck stehende Arbeitskammern), in industriellen Druckkammer-Prozessen und beim Tiefseebau. Ihr Körper wird dabei einem erhöhten Luftdruck ausgesetzt, um Wasser oder Grundwasser aus den Arbeitsbereichen zu verdrängen. Einfach gesagt: Der Druck hält das Wasser zurück, damit Sie trocken arbeiten können. Das kritischste Risiko ist die Dekompressionskrankheit (Taucherkrankheit/”The Bends”), ausgelöst durch zu schnelle Druckentlastung: Stickstoff-Gasbläschen bilden sich in Geweben und Blutgefäßen, was zu Lähmungen, Gelenkschmerzen, Atembeschwerden oder sogar Schlaganfall führen kann. Zusätzlich drohen Druckverletzungen (Barotraumen) an Ohren und Lunge, Sauerstoff-Vergiftung und Stickstoff-Rausch. Die G 31 Eignungsuntersuchung identifiziert Menschen mit erhöhtem Risiko.
Typische Einsatzbereiche:
- Tunnelbau und U-Bahn-Projekte
- Caissonarbeit und pressurierte Arbeitskammern
- Druckkammer-Prozesse in der Industrie
- Tiefseebau und Unterwasser-Wartungsarbeiten
- Unterfahrungen und unterirdische Großprojekte
Untersuchungsablauf der G 31
Die G 31 Untersuchung umfasst:
- Detaillierte Arbeitshistorie: Wie lange Sie unter Druck arbeiten, wie tief/wie hoch der Druck, frühere Dekompressionsunfälle oder Symptome
- Blutdruck und Pulskontrolle in Ruhe – mehrfach gemessen
- EKG (Elektrokardiogramm) und Blutuntersuchung (inklusive vollständiges Blutbild)
- Spirometrie (Lungenfunktionstest) und optional Bronchodilatator-Test (wie gut Ihre Lunge unter Druck arbeitet)
- Audiotest (Hörvermögen – Hochdruckexposition kann zum Hörverlust führen besonders an hohen Tönen)
- Urinanalyse und Blutchemie (Nieren, Elektrolyte, Zucker)
- Ultraschall des Bauches (empfohlen um Organveränderungen zu sehen)
Dauer: etwa 60 Minuten plus eventuelle Spezialuntersuchungen
Rechtliche Grundlage und Häufigkeit
Nach ArbMedVV und DGUV-Regel 103-006 ist die G 31 Pflicht-Vorsorgeuntersuchung vor Aufnahme von Druckluftarbeiten und muss danach regelmäßig wiederholt werden. Die DGUV-Information 213-078 definiert genaue Anforderungen. Ergebnisse unterliegen ärztlicher Schweigepflicht; nur die Eignungsfeststellung wird dokumentiert.
Wichtige Informationen zur Langzeitüberwachung
- Wiederholungsintervalle: Jährlich oder halbjährlich je nach Expositionsdauer und Alter
- Langzeitfolgen: Überwachung langjährig Beschäftigter auf Aseptic Necrosis (Knochennekrose)
- Druckausgleichsfähigkeit: Die Eignungsprüfung testet die Fähigkeit, Druckausgleich durchzuführen
- Notfalladresse: Arbeiter müssen wissen, wohin bei Dekompressionsunfällen (spezialisierte Druckkammer-Zentren)
FAQ - Häufige Fragen
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Alle Arbeitnehmer, die unter Überdruck arbeiten – Tunnelbau, Caissonarbeit, Druckkammer-Industrie, Tiefseebau oder Unterwasser-Wartungsarbeiten. Wenn Sie Druckluft zum Atmen unter Wasser bekommen, brauchen Sie diese Untersuchung.
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Mindestens jährlich, oft sogar halb-jährlich je nach wie lange und wie intensiv Sie unter Druck arbeiten, Ihrem Alter und früheren Befunden. Ihr Arzt erstellt einen individuellen Plan für Sie.
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Unkontrollierter Bluthochdruck, Lungenerkrankungen (Asthma, COPD), Herzrhythmusstörungen, starkes Übergewicht (erhöhtes Dekompressionsrisiko) oder frühere Dekompressionsunfälle ohne vollständiger Heilung – diese schließen Sie aus.
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Ja. Chronische Druckluftexposition erhöht das Risiko für Aseptische Nekrose (Knochennekrose – Knochenabsterben durch Druck). Deshalb regelmäßige Bildgebung um Langzeitschäden früh zu erkennen.
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Vielleicht – aber nur mit guter Medikamenten-Einstellung und regelmäßigen Kontrollen. Der Arzt wird dies individuell bewerten und Ihre Sicherheit an erste Stelle setzen.
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