Neue Arbeitsmedizin-Leitlinie

E NOS – Natürliche optische Strahlung und Sonnenstrahlung

Arbeitsmedizinische Vorsorge bei natürlicher UV-Strahlung am Arbeitsplatz (E NOS) – neu seit DGUV 2. Auflage 2024

Das wichtigste vorab

Die Untersuchung E NOS ist seit September 2024 neu in der DGUV-Regel 103-007 aufgeführt (DGUV = Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung). Sie schützt Outdoor-Arbeiter vor Hautkrebs und Augenschäden durch chronische Sonnenstrahlung. Diese moderne Eignungsuntersuchung berücksichtigt die aktuelle AMR 13.3 (Arbeitsmedizinische Regel zu Sonnenstrahlung und UV-Schutz am Arbeitsplatz).

Inhaltsverzeichnis

UV-Strahlung und Berufskrebsrisiko

Natürliche optische Strahlung (Sonnenlicht mit UV-Anteilen) ist bei Outdoor-Arbeitsplätzen ständig vorhanden: Bauarbeiter, Dachdecker, Straßenbauarbeiter, Landschaftsgärtner, Straßenreiniger und Landwirte sind besonders exponiert (ausgesetzt). Die UV-Strahlung (besonders UVA und UVB-Strahlung) verursacht direkte DNA-Schäden (Erbgutschäden) in Hautzellen und verdoppelt das Melanom-Risiko (schwarzer Hautkrebs) nach langjähriger Exposition. Typische Berufserkrankungen sind Plattenepithelkarzinom (heller Krebs), Basaliom (Basalzellkarzinom, auch heller Krebs) und Melanom (Haut), sowie Kataraktbildung (grauer Star – Linsentrübung) und Pterygium (Fleischwarze am Auge) an den Augen. Besonders kritisch: Wiederholte Sonnenbrände in Kindheit und Jugend verstärken das Krebsrisiko erheblich. Die E NOS Untersuchung dokumentiert den Hautzustand und die Augengesundheit als Referenzwert, um Veränderungen später erkennen zu können.

Typische Einsatzbereiche mit UV-Exposition:

  • Bauarbeiter und Baustellenpersonal
  • Dachdecker und Dacharbeiter
  • Straßenbauer und Tiefbauarbeiter
  • Landschaftsgärtner und Gärtner
  • Landwirte und Forstwirte
  • Straßenreiniger und Außendienstmitarbeiter

Untersuchungsablauf der E NOS

Die E NOS Untersuchung umfasst:

  • Detaillierte Berufsanamnese (Befragung): Wie lange pro Tag und Jahr arbeiten Sie in der Sonne, wie viel Prozent Ihrer Arbeitszeit ist Outdoor-Arbeit, in welcher geografischen Region (süd/nord?), und hatte Sie Sonnenbrände in der Vergangenheit (besonders in Kindheit)
  • Hauttyp-Einstufung nach Fitzpatrick-Skala (Unterteilung in Hauttypen 1–6, von sehr hellhäutig bis dunkel, um das individuelle Krebsrisiko abzuschätzen)
  • Dermatologische Körperuntersuchung (komplette Hautuntersuchung durch den Arzt): Früherkennung von atypischen Nävi (auffälligen Leberflecken) und verdächtigen Hautveränderungen
  • Augenfunduskopie und Spaltlampenuntersuchung (Spaltlampe: optisches Gerät zur genauen Untersuchung der Augen): Überprüfung auf Linsentrübung (grauer Star), Hornhaut-Pinguecula (gelbliche Wucherung am Auge)
  • Fotodokumentation verdächtiger Hautveränderungen (mit Ihrer Zustimmung): Falls verdächtige Stellen vorhanden sind, werden Fotos gemacht zur Dokumentation und Verfolgung
  • Beratung zu UV-Schutz und persönlicher Expositionsprävention: Der Arzt gibt Tipps zu Sonnencreme, Schutzkleidung und Arbeitsplatzgestaltung

Dauer: etwa 25–35 Minuten

Kurz gesagt: Der Arzt fragt Sie nach Ihrer Sonnenexposition am Arbeitsplatz, untersucht Ihre ganze Haut auf verdächtige Veränderungen (schmerzfrei), schaut in Ihre Augen, und berät Sie zum UV-Schutz.

Rechtliche Grundlage und Häufigkeit

Nach der neuen DGUV-Regel 103-007 (Fassung 2024) und der AMR 13.3 (Arbeitsmedizinische Regel zu Sonnenstrahlung am Arbeitsplatz) ist E NOS ein Angebots-Untersuchung (kein Muss, aber empfohlen) vor Aufnahme von stark UV-exponierten Tätigkeiten. Einfach gesagt: Der Arbeitgeber muss die Untersuchung anbieten, kann sie aber auch zur Pflicht erklären – besonders Betriebe ab 10 Mitarbeitern mit Outdoor-Tätigkeiten sollten das tun. Wiederholungsintervalle: alle 2–3 Jahre, oder jährlich bei intensiver Exposition (fast täglich draußen arbeiten). Ärztliche Schweigepflicht (Geheimnis) und Datenschutz sind gewährleistet.

Wichtige Informationen zur Prävention und Dokumentation

  • Prävention ist Schlüssel: Frühe Erkennung von Hautveränderungen und konsequenter UV-Schutz (Sonnencreme, Hut, Kleidung) sind viel effektiver als später Krebs zu behandeln
  • Berufskrankheit-Dokumentation: Positive Befunde (verdächtige Hautveränderungen) aus dieser Untersuchung können später wichtig sein, wenn Sie einen Berufserkrankungsantrag stellen möchten – die Untersuchung schafft einen Nachweis
  • Betriebliche Prävention: Gute Betriebe bieten Beratung zu UV-Schutzrichtlinien, stellen Sonnencreme kostenlos zur Verfügung und passen Arbeitszeiten so an, dass die intensivste Sonneneinstrahlung (mittags) vermieden wird
  • Regionale Besonderheiten: Bayern und Süddeutschland haben höhere UV-Indizes (stärkere UV-Strahlung) durch Höhenlage (mehr Sonne in den Bergen) und Albedo-Effekte (Reflexion von Sonne z. B. am schneebedeckten Boden im Winter)

FAQ - Häufige Fragen

  • Alle Mitarbeiter mit signifikanter Outdoor-Exposition (Sonnenexposition) – mindestens 50% der Arbeitszeit unter freiem Himmel. Das gilt für Bauarbeiter, Dachdecker, Straßenbauer, Landschaftsgärtner, Landwirte und ähnliche Berufe. Wenn Sie regelmäßig draußen arbeiten, sollten Sie zur Untersuchung gehen.

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