Umfassende Tauchtauglichkeitsprüfung für Berufstaucher
G 31 Taucherarbeiten – Betriebsmedizinische Eignungsprüfung
Pflichtvorsorge mit internistischer Untersuchung, Lungenfunktion, EKG, HNO und Röntgen (E TAU)
Das wichtigste vorab
Die G 31 Untersuchung im Überblick
Die G 31 Untersuchung ist eine der gründlichsten Vorsorgeuntersuchungen überhaupt und schützt Berufstaucher vor lebensbedrohlichen Tauch-Komplikationen. Sie ist Pflichtvorsorge und untersucht Ihre Lunge (Spirometrie, Röntgen), Ihr Herz (EKG, Belastungs-EKG), HNO (Ohren und Sinusses), Nerven und speziell die Eignung für hohen Druck unter Wasser. Die Untersuchung dauert 2–3 Stunden. Munich Prevent führt spezialisierte G 31 Untersuchungen mit tauchmedizinischem Screening durch.
Inhaltsverzeichnis
Risiken bei beruflichen Taucharbeiten
Unterwassertätigkeiten unter Druckbelastung führen zu spezifischen und lebensbedrohlichen Komplikationen:
- Dekompressionskrankheit (Taucherkrankheit, “The Bends”): Stickstoff-Gasbläschen-Bildung bei zu schnellem Druckausgleich – verursacht Gelenkschmerzen, Nervenschäden (Lähmung möglich), lebensgefährlich
- Barotrauma (Druckverletzung): Druck zerstört Luft-Hohlräume: Lungenschäden, Mittelohr-Verletzungen (perforiertes Trommelfell), Nasennebenhöhlen-Verletzungen
- Sauerstoff-Toxizität (O₂-Vergiftung): Bei zu hohem Sauerstoff-Druck Anfälle, Bewusstlosigkeit, Ertrinken unter Wasser – besonders bei tiefem Tauchen
- Stickstoff-Narkose (Tiefenrausch): Ähnlich wie Alkoholrausch bei sehr tiefem Tauchen (über 40 Meter) – kann zu riskanten Entscheidungen führen
- Lungenembolie und offenes Foramen Ovale (PFO): Angeborenes Loch zwischen den Herzkammern kann zu Luft-Embolie (Luftblase) bei Druckänderungen führen
- Austrocknung und Elektrolyt-Ungleichgewicht: Durch Wasser-Immersion und Druck-Wasserausscheidung (Druckdiurese)
- Hypothermie (Unterkühlung): Bei kalten Wasser-Bedingungen – der Körper kühlt schnell aus
- Akute Sinusitis oder Ohrentzündung: Durch Barotrauma und Infektionen in den Druckräumen
- Chronische Knochennekrose (ACON): Knochenabsterben durch wiederholte Druck-Dekompression – eine gefürchtete Langzeitfolge bei vielen Tauchgängen
Typische Einsatzbereiche:
- Offshore-Ölbohr- und Gasproduktion
- Unterwasser-Konstruktion und Schweißen
- Tiefseekabel-Installation
- Hafenbau und Dammreparatur
- Schwund-Baggerung und Sedimentbeseitigung
- Unterwasser-Inspektion und Wartung
- Feuerwehr-Tauchergruppeseinsätze (Rettung, Suche)
- Marine-Tauchereinsätze (militärisch, Spezialeinheiten)
Komponenten der G 31 Untersuchung (sehr umfassend)
Die G 31 Untersuchung ist eine der gründlichsten Vorsorgeuntersuchungen und umfasst:
- Ausführliche Anamnese: Tauch-Erfahrung und -Dauer, wie oft Sie tief tauchen, frühere Tauch-Unfälle oder Dekompressionskrankheit, Ohren- oder Sinus-Probleme, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Medikamente, Rauchen, wie fit Sie sind, private Tauchaktivitäten
- Innere Untersuchung: Vollständige körperliche Untersuchung mit Fokus auf Herz, HNO (Ohren/Nase/Rachen), Nerven und Gefäße
- Lungenfunktionstestung (Spirometrie): Sie pusten in ein Messgerät – FEV1, FVC, zeigt wie viel Luft Ihre Lunge hält. Wichtig: Barotrauma-Prävention braucht eine intakte Lunge
- Diffusions-Kapazität (DLCO): Spezialtest um zu sehen wie gut Sauerstoff in Ihr Blut übergeht – wichtig unter Druck
- Ruhe-EKG: 12-Kanal-Elektrokardiogramm zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen, Mangelversorgung, Herzverdickung
- Belastungs-EKG oder Spiroergometrie: Elektrokardiogramm während Fahrrad-Training bis etwa 85% Ihrer maximalen Herzfrequenz – zeigt ob Ihr Herz unter der Tauch-Belastung sicher ist
- HNO-Untersuchung: Ohrenärztliche Kontrolle, Hörtest (Audiometrie), Sinus-Kontrolle, Nasale Polypen/Abweichungen ausschließen – sehr wichtig weil Ohr-Probleme Barotrauma verursachen
- Röntgen der Brust: Hochformat um Lungenbläschen (Bullae), Emphysem und andere Strukturen auszuschließen, die Barotrauma-Risiko erhöhen
- Blutuntersuchung: Vollständiges Blutbild, Nierenwerte (Kreatinin, eGFR), Elektrolyte, Zucker, Cholesterin, Triglyzeride
- Urinuntersuchung: Routine-Test, speziell um Diabetes auszuschließen (Zucker im Urin)
- Blutdruck-Messung: Mehrfach gemessen, sitzend und stehend – wichtig um Standortwechsel-Blutdruckabfälle auszuschließen
- PFO-Screening (Foramen Ovale Screening – optional aber sinnvoll): Spezial-Ultraschall des Herzens mit Kontrastmittel (Bubble-Test) um angeborene Löcher zwischen Herzkammern zu finden – erhöhtes Dekompressions-Risiko
- Neurologische Untersuchung: Gründliche Nerven-Tests besonders wenn Sie früher Dekompression-Symptome hatten
Gesamtdauer: 120–180 Minuten (sehr umfassend)
Pflichtvorsorge nach ArbMedVV
Die G 31 ist Pflichtvorsorge nach ArbMedVV für alle Berufstaucher. Sie ist eine der strengsten Vorsorgeuntersuchungen und muss vor Aufnahme durchgeführt werden. Die Tauglichkeit wird in Kategorien eingeteilt (unbeschränkt, mit Beschränkungen, nicht tauglich). Wiederholung ist regelmäßig erforderlich (oft jährlich oder alle 2 Jahre, je nach Tauchexpositions-Intensität und Alter).
Besonderheit: G 31 hat sehr hohe Standards; Bestehen ist nicht selbstverständlich. Kardiovaskuläre oder pulmonale Pathologie kann zur Untauglichkeit führen.
- PFO-Screening: Erhöhtes PFO-Risiko wird oft als Tauchen-Kontraindikation angesehen (Dekompressionskrankheit-Risiko)
- Fitness: Kardiopulmonale Fitness ist essenziell; schlecht trainierte Taucher haben höhere Risiken
- Rauchen: Deutlich erhöhtes Lungenembolie-Risiko; Entwöhnung stark empfohlen
- Medikamente: Viele Medikamente sind bei Taucharbeiten kontraindiziert (z.B. Antihistaminika, Amphetamine, beta-Blocker in bestimmten Situationen)
- Dekompression-Krankheit: Erste-Hilfe ist Notfall-Kammerbehandlung; Vorsorgung mit Recompression-Kammer ist zentral
- Tauchprofile-Monitoring: Moderne Taucher-Computer protokollieren Dekompression-Profile zur Risikoenktion
- Dehydratation-Prävention: Hydration vor und nach Tauchgängen ist zentral
- Psychologische Fitness: Auch mentale Stabilität und Angstresistanz sind wichtig für Sicherheit unter Wasser
FAQ - Häufige Fragen
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Das kommt sehr auf die Schwere und Ihre aktuellen Nerven-Funktionen an. Der Tauchmediziner wird Sie gründlich neurologisch testen. Schwere Fälle bedeuten oft: nicht mehr tauchen.
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Ein angeborenes kleines Loch zwischen den beiden Herzkammern – normalerweise harmlos. Aber beim Tauchen können Luft-Bläschen hindurch ins Gehirn gelangen (paradoxe Embolie). Oft ist das ein Grund zum Nicht-Tauchen.
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Mindestens jährlich oder alle 2 Jahre je nachdem wie intensiv und tief Sie tauchen und wie alt Sie sind. Nach früheren Tauch-Unfällen öfter.
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Das kommt drauf an wie stark und ob Medikamente helfen. Der Tauchmediziner wertet Ihr gesamtes Herz-Profil aus und entscheidet.
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Bei sehr tiefem Tauchen (über 40 Meter) wirkt der Stickstoff-Druck wie Alkoholrausch – Verwirrtheit, schlechte Urteile, irrational Verhalten. Das begrenzt wie tief Taucher unbewaffnet gehen können.
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Der Arbeitgeber trägt die Kosten. Für Sie kostenlos.
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