Arbeitsmedizinische Vorsorge

G 4 Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – Krebs-Früherkennung bei PAK-Exposition

Pflichtvorsorgeuntersuchung (DGUV – E PAK) für Schornsteinfeger, Asphalt- und Kokereiarbeiter

Das wichtigste vorab

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind stark krebserregende Stoffe, die Haut-, Lungen- und Blasenkrebs verursachen können. Die G 4 Untersuchung dient der systematischen Früherkennung von Hautveränderungen und Lungenschäden. Schornsteinfeger, Asphaltarbeiter, Kokerei-Beschäftigte und Aluminiumindustrie-Arbeiter unterliegen dieser Pflichtvorsorge.

Inhaltsverzeichnis

PAK-Karzinogenität (Krebserregendes Potenzial) und Krebsrisiko

PAK sind von der WHO (IARC) als Gruppe-1-Karzinogene (höchstes Krebsrisiko) klassifiziert. Chronische Exposition führt zu Genitalbereich-Krebs (besonders bei Schornsteinfegers, daher auch “Schornsteinfeger-Krebs”), Lungenkrebs, Blasenkrebs und Hautcanceromen. Die Latenzzeit liegt oft bei 20–40 Jahren. Biomonitoring mit 1-Hydroxypyren im Urin (Stoffwechselprodukt von PAK) erlaubt die Quantifizierung der Exposition. PAK penetrieren besonders durch rissige oder verletzte Haut und werden eingeatmet.

Typische Einsatzbereiche:

  • Schornsteinfegergewerbe (klassisches Berufskrebsrisiko)
  • Asphaltmischwerk und Straßenbau (heiße Asphalt-Mischungen enthalten PAK)
  • Kokereiproduktion (Kohleveredlung zu Koks) – sehr PAK-belastet
  • Aluminiumindustrie (Anodenbrennung, Elektrolyse)
  • Holzteerverarbeitung und Imprägnierbetriebe (Holzschutz mit teerhaltigen Mitteln)

Untersuchungsablauf der G 4

Die G 4 ist eine spezialisierte dermatologische (Haut-)und pneumologische (Lungen-)Untersuchung:

  • Gründliche Anamnese (Krankengeschichte) über PAK-Exposition, Dauer und Schutzmaßnahmen (wie lange tätig? welche Schutzausrüstung?)
  • Ganzkörper-Hautkontrolle mit Dermatoskop (optisches Vergrößerungsinstrument zur Untersuchung der Haut im Detail) – Früherkennung von Melanomen (schwarzer Hautkrebs), Plattenepithelkarzinomen und verdächtigen Leberflecken
  • Genitale und perianale Hautinspektion (Untersuchung im Genital- und Afterbereich, besonders wichtig bei Schornsteinfegers wegen erhöhtem Genitalbereich-Krebsrisiko)
  • Lungenfunktionstests (Spirometrie – Lungenvolumentest) – Screening auf obstruktive (verengende) Lungenveränderungen
  • Biomonitoring: 1-Hydroxypyren im Urin (Stoffwechselprodukt von PAK als direkter Expositionsmarker)
  • Röntgen-Thorax (Röntgenaufnahme des Brustkorbs) bei Langzeitexponierten zur Früherkennung von Lungenveränderungen

Untersuchungsdauer: ca. 45–60 Minuten

Rechtliche Grundlage und Häufigkeit

Die G 4 ist eine Pflichtvorsorgeuntersuchung nach ArbMedVV §6 Abs. 1 für PAK-exponierte Beschäftigte. DGUV Regel 700 (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) schreibt vor: Jährliche Untersuchung für Schornsteinfeger und Kokerei-Arbeiter, alle zwei Jahre für andere Exponierte. Der Betriebsarzt muss Hautveränderungen dokumentieren.

Wichtige Informationen zur Prävention

  • Rauchen erhöht das Lungenkrebsrisiko additiv (zusammenaddierend) – Raucherstopp ist wichtig
  • PAK lagern sich in Fettgewebe ein und werden langsam ausgeschieden – Belastung baut sich über Jahre auf
  • Hautveränderungen, die in der G 4 entdeckt werden, sind oft sehr frühe Zeichen von Malignität (Krebs) – Früherkennung rettet Leben
  • Technische Kontrollen (Absaugung, Wasserbindung bei Asphalt zur Staubminderung) sind die wirksamste Prävention

FAQ - Häufige Fragen

  • Ohne Prävention etwa 10–20-mal höher als in der Normalbevölkerung. Mit konsequentem Arbeitsschutz (Atemschutz, Hautschutz, gute Hygiene) sinkt das Risiko deutlich.

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