Früherkennung berufsbedingter Atemwegserkrankungen

G 23 Obstruktive Atemwegserkrankungen – Betriebsmedizinische Vorsorge

Pflicht-/Angebotsvorsorge nach ArbMedVV mit Spirometrie und Allergie-Screening (E OAE)

G 14 Chlorierte Kohlenwasserstoffe CKW – betriebsärztliche Vorsorge

Das wichtigste vorab

Die G 23 Untersuchung im Überblick

Die G 23 Untersuchung schützt Beschäftigte vor berufsbedingtem Asthma, allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) und beruflich induzierter Atemwegsüberempfindlichkeit. Sie ist Pflicht- oder Angebotsvorsorge (je nach Stoff) nach ArbMedVV und basiert auf Spirometrie (Lungenfunktionstest, bei dem Sie in ein Messgerät pusten), Allergie-Anamnese und optional Allergietestung. Munich Prevent führt spezialisierte G 23 Untersuchungen mit Lungenfunktionstestung durch.

Inhaltsverzeichnis

Risiken bei beruflichen Atemwegsallergen und Reizstoffen

Chronische Exposition gegenüber Allergen oder irritativen Stoffen führt zu reversiblen und potenzial irreversiblen Atemwegsschädigungen:

  • Berufliches Asthma (Occupational Asthma): Überempfindlichkeit der Atemwege durch berufliche Allergen – Atemwegsverengung, Husten, Kurzatmigkeit, Brustenge, oft nachts oder am Wochenende weniger schlecht
  • Allergische Rhinitis: Entzündung der Nasenschleimhaut mit Niesen, Schnupfen, Nasenstau – typisch für Bäcker und Friseure
  • Allergische Alveolitis (Hypersensitivitätspneumonitis): Immunologische Lungenentzündung mit Atemnot, Fieber, Abgeschlagenheit 4–12 Stunden nach Exposition – eine schwere allergische Lungenreaktion
  • Berufliche Rhinitis und Asthma-Progression: Unbehandelte allergische Rhinitis kann sich zu vollem beruflichem Asthma entwickeln – darum früh handeln
  • Berufliches RADS (Reactive Airways Dysfunction Syndrome): Akute plötzliche Atemwegsreaktivität nach starker Reizgas-Belastung – entwickelt sich anders als Allergie-Asthma
  • Chronische Bronchitis: Dauerhafter Husten mit Auswurf bei Staubexposition (Mehl, Getreide, Holz) – kann Jahre später auftreten
  • Permanente Lungenfunktions-Defizite: Bei lang anhaltender Exposition ohne Schutz droht dauerhafte Atemwegsverengung, die nicht mehr rückgängig zu machen ist

Typische Einsatzbereiche und Allergen:

  • Bäckereien und Konditoreien (Mehl-Allergie, Getreidestaub)
  • Friseur- und Kosmetik-Salons (Frisier-Chemikalien, Acrylatpuder)
  • Tierhalter und Veterinäre (Tierhaare, Urin, Speichel)
  • Holzverarbeitung (Holzstäube, bestimmte Holzarten wie Teak)
  • Landwirtschaft (Getreidestaub, Heu, Schimmelpilze)
  • Textilindustrie (Baumwollstaub – Brown Lung)
  • Laborarbeiten mit biologischen Agentien
  • Pilzzucht und Kompostierung (Schimmelpilzsporen)

Komponenten der G 23 Untersuchung

Die G 23 Untersuchung umfasst:

  • Ausführliche Anamnese: Expositionsdauer und -art, bisherige Atemwegssymptome (Husten, Kurzatmigkeit, Brustenge, saisonal vs. das ganze Jahr), Symptom-Timing (während Arbeit, danach, nachts), frühere allergische Erkrankungen (Heuschnupfen, Ekzem in der Kindheit), Rauchen, private Allergen-Exposition (Haustiere, Schimmelpilz in der Wohnung)
  • Körperliche Untersuchung: Lungenabhören (Auskultation) – achtet auf Pfeifgeräusche (Wheezing), Nasenschleimhäute-Kontrolle (geschwollen?), Hautcheck auf Ekzem oder andere Allergie-Zeichen
  • Lungenfunktionstestung (Spirometrie): Misst Ihre Atemleistung – wie viel Luft Sie einatmen (FVC) und wie schnell rausströmt (FEV1) – völlig schmerzfrei
  • Reversibilitäts-Test (optional): Nach Inhalation von Salbutamol-Spray (Asthma-Spray) wird nochmals gemessen – zeigt, ob eine Verengung rückgängig zu machen ist
  • Allergie-Haut-Prick-Test (optional, aber oft sinnvoll): Kleine Kratzer auf der Unterseite des Unterarms mit berufsspezifischen Allergenen (Mehl, Frisier-Chemikalien, Tierhaare, Holzstaubextrakte) – schmerzlos und schnell
  • Serum-Spezifisches-IgE (optional): Bluttest zur Überprüfung auf Antikörper gegen bestimmte Berufsallergen
  • Blutuntersuchung: Vollständiges Blutbild mit besonderem Blick auf Eosinophile (weiße Blutkörperchen, die bei Allergie erhöht sind)
  • Provokationstest (optional): Gezielte Inhalations-Provokation mit beruflichen Allergenen in Spezial-Laboren wenn Asthma vermutet wird, die Spirometrie aber unauffällig ist

Gesamtdauer: 30–45 Minuten (bei erweiterten Tests länger)

Pflicht- oder Angebotsvorsorge je nach Stoff

Die G 23 kann sowohl Pflichtvorsorge als auch Angebotsvorsorge sein, je nach beruflichem Allergen (z.B. Pflicht bei Mehl-Exposition in Bäckereien, Angebotsvorsorge bei Holzstaub). Der Arbeitgeber muss die Exposition klassifizieren und danach die passende Vorsorge durchführen. Untersuchung muss vor Aufnahme durchgeführt werden und wird regelmäßig wiederholt.

Besonderheit: Beschäftigte mit nachgewiesener Sensibilisierung oder beruflichem Asthma sollten Exposition reduzieren oder beenden, da Persistenz der Allergen-Exposition zu permanenten Lungenschäden führt.

  • Latenzzeit: Sensibilisierung kann Wochen bis Jahre dauern; keine erkennbare Latenz bei RADS
  • Atopie ist Risikofaktor: Personen mit früherem Heuschnupfen oder Ekzem sensibilisieren leichter
  • Expositionsminderung ist zentral: Technischer Arbeitsschutz (Lüftung, lokale Absaugung) ist Priorität
  • PSA-Masken: Hochwertige FFP2/FFP3 Masken bei Staubexposition können Risiko reduzieren
  • Rauchen: Deutlich erhöhtes Sensibilisierungs- und Asthma-Progressions-Risiko
  • Private Allergen-Exposition: Haustiere, Schimmelpilz daheim können additives Risiko bedeuten
  • Irreversibilität: Lungenfunktions-Defizite, die nach Berufsausbildung bestehen bleiben, sind oft chronisch und irreversibel

FAQ - Häufige Fragen

  • Heuschnupfen bedeutet, Ihre Atemwege sind leicht reizbar – das ist ein Risiko für berufliches Asthma und Mehl-Allergie. Die G 23 wird für Sie besonders wichtig, und regelmäßige Kontrollen sind notwendig. Aber mit gutem Arbeitsschutz können Sie oft trotzdem arbeiten.

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