Früherkennung berufsbedingter Atemwegserkrankungen
G 23 Obstruktive Atemwegserkrankungen – Betriebsmedizinische Vorsorge
Pflicht-/Angebotsvorsorge nach ArbMedVV mit Spirometrie und Allergie-Screening (E OAE)

Das Wichtigste vorab
Die G 23 Untersuchung schützt Beschäftigte vor berufsbedingtem Asthma, allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) und beruflich induzierter Atemwegsüberempfindlichkeit. Sie ist Pflicht- oder Angebotsvorsorge (je nach Stoff) nach ArbMedVV und basiert auf Spirometrie (Lungenfunktionstest, bei dem Sie in ein Messgerät pusten), Allergie-Anamnese und optional Allergietestung.
Risiken bei beruflichen Atemwegsallergen und Reizstoffen
Chronische Exposition gegenüber Allergen oder irritativen Stoffen führt zu reversiblen und potenzial irreversiblen Atemwegsschädigungen:
- Berufliches Asthma (Occupational Asthma): Überempfindlichkeit der Atemwege durch berufliche Allergen – Atemwegsverengung, Husten, Kurzatmigkeit, Brustenge, oft nachts oder am Wochenende weniger schlecht
- Allergische Rhinitis: Entzündung der Nasenschleimhaut mit Niesen, Schnupfen, Nasenstau – typisch für Bäcker und Friseure
- Allergische Alveolitis (Hypersensitivitätspneumonitis): Immunologische Lungenentzündung mit Atemnot, Fieber, Abgeschlagenheit 4–12 Stunden nach Exposition – eine schwere allergische Lungenreaktion
- Berufliche Rhinitis und Asthma-Progression: Unbehandelte allergische Rhinitis kann sich zu vollem beruflichem Asthma entwickeln – darum früh handeln
- Berufliches RADS (Reactive Airways Dysfunction Syndrome): Akute plötzliche Atemwegsreaktivität nach starker Reizgas-Belastung – entwickelt sich anders als Allergie-Asthma
- Chronische Bronchitis: Dauerhafter Husten mit Auswurf bei Staubexposition (Mehl, Getreide, Holz) – kann Jahre später auftreten
- Permanente Lungenfunktions-Defizite: Bei lang anhaltender Exposition ohne Schutz droht dauerhafte Atemwegsverengung, die nicht mehr rückgängig zu machen ist
Typische Einsatzbereiche und Allergen:
- Bäckereien und Konditoreien (Mehl-Allergie, Getreidestaub)
- Friseur- und Kosmetik-Salons (Frisier-Chemikalien, Acrylatpuder)
- Tierhalter und Veterinäre (Tierhaare, Urin, Speichel)
- Holzverarbeitung (Holzstäube, bestimmte Holzarten wie Teak)
- Landwirtschaft (Getreidestaub, Heu, Schimmelpilze)
- Textilindustrie (Baumwollstaub – Brown Lung)
- Laborarbeiten mit biologischen Agentien
- Pilzzucht und Kompostierung (Schimmelpilzsporen)
Komponenten der G 23 Untersuchung
Die G 23 Untersuchung umfasst:
- Ausführliche Anamnese: Expositionsdauer und -art, bisherige Atemwegssymptome (Husten, Kurzatmigkeit, Brustenge, saisonal vs. das ganze Jahr), Symptom-Timing (während Arbeit, danach, nachts), frühere allergische Erkrankungen (Heuschnupfen, Ekzem in der Kindheit), Rauchen, private Allergen-Exposition (Haustiere, Schimmelpilz in der Wohnung)
- Körperliche Untersuchung: Lungenabhören (Auskultation) – achtet auf Pfeifgeräusche (Wheezing), Nasenschleimhäute-Kontrolle (geschwollen?), Hautcheck auf Ekzem oder andere Allergie-Zeichen
- Lungenfunktionstestung (Spirometrie): Misst Ihre Atemleistung – wie viel Luft Sie einatmen (FVC) und wie schnell rausströmt (FEV1) – völlig schmerzfrei
- Reversibilitäts-Test (optional): Nach Inhalation von Salbutamol-Spray (Asthma-Spray) wird nochmals gemessen – zeigt, ob eine Verengung rückgängig zu machen ist
- Allergie-Haut-Prick-Test (optional, aber oft sinnvoll): Kleine Kratzer auf der Unterseite des Unterarms mit berufsspezifischen Allergenen (Mehl, Frisier-Chemikalien, Tierhaare, Holzstaubextrakte) – schmerzlos und schnell
- Serum-Spezifisches-IgE (optional): Bluttest zur Überprüfung auf Antikörper gegen bestimmte Berufsallergen
- Blutuntersuchung: Vollständiges Blutbild mit besonderem Blick auf Eosinophile (weiße Blutkörperchen, die bei Allergie erhöht sind)
- Provokationstest (optional): Gezielte Inhalations-Provokation mit beruflichen Allergenen in Spezial-Laboren wenn Asthma vermutet wird, die Spirometrie aber unauffällig ist
Gesamtdauer: 30–45 Minuten (bei erweiterten Tests länger)
Pflicht- oder Angebotsvorsorge je nach Stoff
Die G 23 kann sowohl Pflichtvorsorge als auch Angebotsvorsorge sein, je nach beruflichem Allergen (z.B. Pflicht bei Mehl-Exposition in Bäckereien, Angebotsvorsorge bei Holzstaub). Der Arbeitgeber muss die Exposition klassifizieren und danach die passende Vorsorge durchführen. Untersuchung muss vor Aufnahme durchgeführt werden und wird regelmäßig wiederholt.
Besonderheit: Beschäftigte mit nachgewiesener Sensibilisierung oder beruflichem Asthma sollten Exposition reduzieren oder beenden, da Persistenz der Allergen-Exposition zu permanenten Lungenschäden führt.
Als Betriebsarzt in München führen wir die G 23 mit Lungenfunktionstestung direkt in unserer Praxis durch – mit einem festen Ansprechpartner für Ihr Unternehmen.
- Latenzzeit: Sensibilisierung kann Wochen bis Jahre dauern; keine erkennbare Latenz bei RADS
- Atopie ist Risikofaktor: Personen mit früherem Heuschnupfen oder Ekzem sensibilisieren leichter
- Expositionsminderung ist zentral: Technischer Arbeitsschutz (Lüftung, lokale Absaugung) ist Priorität
- PSA-Masken: Hochwertige FFP2/FFP3 Masken bei Staubexposition können Risiko reduzieren
- Rauchen: Deutlich erhöhtes Sensibilisierungs- und Asthma-Progressions-Risiko
- Private Allergen-Exposition: Haustiere, Schimmelpilz daheim können additives Risiko bedeuten
- Irreversibilität: Lungenfunktions-Defizite, die nach Berufsausbildung bestehen bleiben, sind oft chronisch und irreversibel
Häufige Fragen
Ich habe Heuschnupfen – bin ich für Bäckerei-Arbeit geeignet?
Heuschnupfen bedeutet, Ihre Atemwege sind leicht reizbar – das ist ein Risiko für berufliches Asthma und Mehl-Allergie. Die G 23 wird für Sie besonders wichtig, und regelmäßige Kontrollen sind notwendig. Aber mit gutem Arbeitsschutz können Sie oft trotzdem arbeiten.
Kann berufliches Asthma heilen?
Leider nein. Wenn Sie die auslösende Allergen nicht mehr einatmen, wird es nicht schlimmer – aber Lungenschäden sind meist bleibend. Deshalb ist Prävention und frühe Expositionsbeendigung so wichtig.
Was ist RADS?
RADS (Reactive Airways Dysfunction Syndrome): Eine akute plötzliche Atemwegsreaktion nach starker Reizgas-Belastung (z.B. Ammoniakdampf in Industrieunfällen) – funktioniert anders als Allergie-Asthma, ist aber genauso ernst.
Wie oft sollte die G 23 wiederholt werden?
Mindestens jährlich wenn Sie der Allergen ausgesetzt sind. Bei Symptomen oder wenn sich Ihre Allergien verschärfen, häufiger – Ihr Arzt wird entscheiden.
Kann eine Maske mich vor Mehl-Allergie schützen?
Hochwertige FFP2/FFP3 Masken (Atemschutzmasken) können Ihre Exposition deutlich senken, aber sind nicht 100% sicher – Mehlstaub ist winzig. Noch wichtiger ist technischer Arbeitsschutz wie gute Lüftung und Absauganlagen.
Was kostet die G 23?
Der Arbeitgeber trägt die Kosten. Für Sie kostenlos.
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